... das liegt nicht unbedingt an der Tatsache, dass wir besonders mutige Menschen sind, sondern vor allem an den strikten Gepäckregulierungen: 1 Jahr Ausland = 20 Kilo Gepäck = 20 Kilo - ca. 4 Kilo Koffergewicht = 16 Kilo für ein Jahr an Kleidung, Schuhen, Fotos, Büchern, Zahnbürsten... merkt ihr, wo das Problem liegt?
Dienstag, 31. August 2010
Ramadan für Anfänger
Da hier ja gerade Ramadan ist, haben ein paar von uns Volontären uns gedacht, dass wir das auch mal einen Tag lang probieren (in leicht abgeschwächter Form: Wasser trinken war erlaubt), um zu sehen, wie das so ist...
Freitag, der 27. August:
5:30: Der Wecker klingelt. Ein skeptischer Blick aus dem Fenster - Mist, es ist schon hell, mit einem Keks vor dem Fasten ist also nicht mehr viel her.
6:00: Ich schließe die Tür zur Rezeption auf und laufe gleich auf den Kühlschrank zu. Sonst ist der mir relativ egal, aber heute guckt mich die Cola an...
7:00: Suzanne kommt, um sich den Schlüssel zum Milkfridge geben zu lassen. Motivation hat den Höhepunkt erreicht.
7:38: Die ersten Gäste kommen zum Frühstück und mein Magen beginnt zu knurren. (Randanmerkung: mein Abendessen am Vorabend bestand aufgrund von Magengrummelm nur aus einer Tasse Fencheltee).
7:45: Fanny fragt mich, ob ich nicht mal langsam frühstücken gehen möchte, und fängt an zu lachen, als ich ihr erkäre, was wir heute vorhaben.
9:16: Ich muss Poolhandtücher in einem riesigen Korb in die laundry tragen, und dabei die Dining Hall und die Küche durchqueren. Ich halte die Luft an und renne mit gesenktem Kopf los, um ja nichts essbares zu sehen.
10:15: Gina kommt an der Rezeption vorbei und hat schlechte Laune: "Alter, da steht so viel Kuchen in der Dining Hall, und zwar der gute Schokoladenkuchen, und ich kann ihn nicht essen!"
10:30: Korinna kommt mit einer großen Plastiktüte vorbei: "Ich habe für uns für heute Abend Kuchen in Sicherheit gebracht..."
11:16: Hunger.
11:17: Die erste anderthalb-Liter-Wasserschlafe ist geleert. Man kann auch trinken, um das Magenknurren durch Gluckern zu ersetzen.
12:00: Hunger!
12:30: Mittagessen. HUNGER!
13:00: Gerüchte machen die Runde, dass die ersten bereits aufgeben...
13:21: Korinna kommt mit einer zweiten großen Plastiktüte vorbei: "Ich habe Falafel für heute Abend für uns eingepackt..."
14:00: Die Wasserflasche muss erneut aufgefüllt werden.
14:04: Gina kommt erneut vorbei, wir beginnen ein Gespräch. Nach zehn Minuten bemerken wir, dass wir nur übers Essen geredet haben. Sie geht vorsichtshalber und ich mache mich daran, das Geld in der Kasse zu zählen.
14:30: Ich gehe zurück zur Baracke und versuche nicht daran zu denken, dass noch Kekse im Tiefkühlfach meines Kühlschrankes liegen.
14:45: Ich beginne, mit Augustin die Volunteer's Kitchen zu putzen (da vergeht einem nämlich der Appetit bei, anscheinend haben die Volontäre letztes Jahr nur Unordnung gemacht, anstatt mal zu putzen). Wir kratzen Asia-Soße vom Boden ab, entfernen die Kolonie toter Ameisen vom Boden des Wasserkochers, entfrosten den Kühlschrank und nehmen den Herd auseinander. Wir haben HUNGER.
17:30: Gina und ich ziehen mit letzter Kraft die vollgepackten Mülltüten über den Hof hinter uns her in Richtung Müllcontainer, tragen geht nicht mehr. Noch eine Stunde bis zum Essen.
18:00: Noch eine halbe Stunde.
18:15: Noch 15 Minuten.
18:30: ESSEN. Theoretisch. Praktisch ist nämlich Erev Shabbat, darum müssen wir erstmal Lieder singen, das Brot segnen, Kerzen anzünden, und noch ein paar Lieder singen.
19:15: Wir sitzen vor halb leergegessenen Tellern, und uns ist schlecht. Nach einem Tag Fasten passt nämlich nichts mehr in den Magen rein. Jedenfalls haben wir das nur knapp MIT Wasser überlebt, meine Bewunderung für alle, die das wirklich durchziehen (und was für eine wohltuende Abwechslung, dass manche arabischen Männer dann keine Energie mehr haben, einem hinterherzupfeifen ;)).
Freitag, der 27. August:
5:30: Der Wecker klingelt. Ein skeptischer Blick aus dem Fenster - Mist, es ist schon hell, mit einem Keks vor dem Fasten ist also nicht mehr viel her.
6:00: Ich schließe die Tür zur Rezeption auf und laufe gleich auf den Kühlschrank zu. Sonst ist der mir relativ egal, aber heute guckt mich die Cola an...
7:00: Suzanne kommt, um sich den Schlüssel zum Milkfridge geben zu lassen. Motivation hat den Höhepunkt erreicht.
7:38: Die ersten Gäste kommen zum Frühstück und mein Magen beginnt zu knurren. (Randanmerkung: mein Abendessen am Vorabend bestand aufgrund von Magengrummelm nur aus einer Tasse Fencheltee).
7:45: Fanny fragt mich, ob ich nicht mal langsam frühstücken gehen möchte, und fängt an zu lachen, als ich ihr erkäre, was wir heute vorhaben.
9:16: Ich muss Poolhandtücher in einem riesigen Korb in die laundry tragen, und dabei die Dining Hall und die Küche durchqueren. Ich halte die Luft an und renne mit gesenktem Kopf los, um ja nichts essbares zu sehen.
10:15: Gina kommt an der Rezeption vorbei und hat schlechte Laune: "Alter, da steht so viel Kuchen in der Dining Hall, und zwar der gute Schokoladenkuchen, und ich kann ihn nicht essen!"
10:30: Korinna kommt mit einer großen Plastiktüte vorbei: "Ich habe für uns für heute Abend Kuchen in Sicherheit gebracht..."
11:16: Hunger.
11:17: Die erste anderthalb-Liter-Wasserschlafe ist geleert. Man kann auch trinken, um das Magenknurren durch Gluckern zu ersetzen.
12:00: Hunger!
12:30: Mittagessen. HUNGER!
13:00: Gerüchte machen die Runde, dass die ersten bereits aufgeben...
13:21: Korinna kommt mit einer zweiten großen Plastiktüte vorbei: "Ich habe Falafel für heute Abend für uns eingepackt..."
14:00: Die Wasserflasche muss erneut aufgefüllt werden.
14:04: Gina kommt erneut vorbei, wir beginnen ein Gespräch. Nach zehn Minuten bemerken wir, dass wir nur übers Essen geredet haben. Sie geht vorsichtshalber und ich mache mich daran, das Geld in der Kasse zu zählen.
14:30: Ich gehe zurück zur Baracke und versuche nicht daran zu denken, dass noch Kekse im Tiefkühlfach meines Kühlschrankes liegen.
14:45: Ich beginne, mit Augustin die Volunteer's Kitchen zu putzen (da vergeht einem nämlich der Appetit bei, anscheinend haben die Volontäre letztes Jahr nur Unordnung gemacht, anstatt mal zu putzen). Wir kratzen Asia-Soße vom Boden ab, entfernen die Kolonie toter Ameisen vom Boden des Wasserkochers, entfrosten den Kühlschrank und nehmen den Herd auseinander. Wir haben HUNGER.
17:30: Gina und ich ziehen mit letzter Kraft die vollgepackten Mülltüten über den Hof hinter uns her in Richtung Müllcontainer, tragen geht nicht mehr. Noch eine Stunde bis zum Essen.
18:00: Noch eine halbe Stunde.
18:15: Noch 15 Minuten.
18:30: ESSEN. Theoretisch. Praktisch ist nämlich Erev Shabbat, darum müssen wir erstmal Lieder singen, das Brot segnen, Kerzen anzünden, und noch ein paar Lieder singen.
19:15: Wir sitzen vor halb leergegessenen Tellern, und uns ist schlecht. Nach einem Tag Fasten passt nämlich nichts mehr in den Magen rein. Jedenfalls haben wir das nur knapp MIT Wasser überlebt, meine Bewunderung für alle, die das wirklich durchziehen (und was für eine wohltuende Abwechslung, dass manche arabischen Männer dann keine Energie mehr haben, einem hinterherzupfeifen ;)).
Donnerstag, 26. August 2010
Nes Ammim
Nachdem ich von verschiedenen Stellen verbalen Prügel bekommen habe, weil eigentlich keiner genau weiß, wo ich bin, was ich mache und wie es hier aussieht: nun die Abhilfe!

Wir befinden uns in einem kleinen Dorf (wenn auch nicht in Gallien, es ist eindeutig wärmer, und wir wurden auch nicht von Caesar erobert) an der israelischen Küste, oben im Norden, gut fünfzehn Kilometer vom Libanon entfertn, zwischen Akko und Nahariyya (oder Naharya/Naharyya/Naharia - wenn man das vokallose hebräische Alphabet ins latenische überträgt, hat man ungefähr 5000 Möglichkeiten, verschieden zu buchstabieren).
Die beiden nächsten Dörfer sind Regba und Mazra'a, was ganz interessant ist, denn man muss beide (mehr oder weniger durchqueren), wenn man zum Beispiel zum Strand fahren will. Regba ist ein jüdisches Moshav, das zum einem Teil aus dem Dorf besteht (sieht aus wie ein etwas südlich geratener amerikanischer Vorort) und zum anderen Teil aus einer Shopping-Mall (ebenfalls sehr amerikanisch). Mazra'a hingegen ist ein arabisches Dorf, mit einem eigenen Minarett, vielen bunt blinkenden Lichterketten an den Häusern (schließlich ist Ramadan), und es stinkt bestialisch (das war jetzt keine Generalbeschreibung aller arabischen Dörfer. Aber direkt an unserer Fahrrad-Strecke stehen die Müllercontainer, und in der Hitze den Hügel hochzustrampeln und gleichzeitig die Luft anzuhalten, ist gar nicht so einfach).
Während hier vor gut zehn Jahren noch um die 150 Volontäre gelebt haben (damals gab es noch die Rosenzucht - heute erinnert daran noch eine einzige Ruine eines Gewächshauses), sind wir heute ungefähr 35, und das Guesthouse ist die Haupteinnahmequelle von Nes Ammim.
Wir jungen Volontäre sind in verschiedenen Baracken untergebracht (die noch aus der Zeit stammen, in der Nes Ammim gebaut wurde, und kaum bis gar nicht isoliert sind, die Außentemperatur entspricht also ungefähr der Innentemperatur, in guten wie in schlechten Zeiten. Die linke Tür ist meine, die Matraze gehört mir übrigens nicht. Inzwischen ist sie auch wieder in den Tiefen der Old Laundry verschwunden, glaube ich.

Abends sitzen wir aber meistens vor dem Nine Doors, das ist der größte Barackenkomplex hier (und jetzt ratet, wie viele Baracken es darin gibt). Manchmal kommt jemand auf die Idee, dort bei der Hitze noch ein Lagerfeuer anzuzünden, was auch schon mal zur Folge hat, dass die Palmen ringsherum spontan Feuer fangen, aber keine Sorge, wir haben einen Schlauch zum Löschen.
Wir befinden uns in einem kleinen Dorf (wenn auch nicht in Gallien, es ist eindeutig wärmer, und wir wurden auch nicht von Caesar erobert) an der israelischen Küste, oben im Norden, gut fünfzehn Kilometer vom Libanon entfertn, zwischen Akko und Nahariyya (oder Naharya/Naharyya/Naharia - wenn man das vokallose hebräische Alphabet ins latenische überträgt, hat man ungefähr 5000 Möglichkeiten, verschieden zu buchstabieren).
Während hier vor gut zehn Jahren noch um die 150 Volontäre gelebt haben (damals gab es noch die Rosenzucht - heute erinnert daran noch eine einzige Ruine eines Gewächshauses), sind wir heute ungefähr 35, und das Guesthouse ist die Haupteinnahmequelle von Nes Ammim.
Wir jungen Volontäre sind in verschiedenen Baracken untergebracht (die noch aus der Zeit stammen, in der Nes Ammim gebaut wurde, und kaum bis gar nicht isoliert sind, die Außentemperatur entspricht also ungefähr der Innentemperatur, in guten wie in schlechten Zeiten. Die linke Tür ist meine, die Matraze gehört mir übrigens nicht. Inzwischen ist sie auch wieder in den Tiefen der Old Laundry verschwunden, glaube ich.
Abends sitzen wir aber meistens vor dem Nine Doors, das ist der größte Barackenkomplex hier (und jetzt ratet, wie viele Baracken es darin gibt). Manchmal kommt jemand auf die Idee, dort bei der Hitze noch ein Lagerfeuer anzuzünden, was auch schon mal zur Folge hat, dass die Palmen ringsherum spontan Feuer fangen, aber keine Sorge, wir haben einen Schlauch zum Löschen.
Montag, 23. August 2010
Kosher.
Hier dreht sich alles ums Essen... und zwar um KOSHERES Essen.
Der Begriff kosher (bedeutet glaube ich so viel wie 'rein') bezieht sich nicht nur auf Nahrungsmittel (wie zum Beispiel Schweinefleisch, das unkosher ist und das man hier eigentlich nur in russischen Supermärkten kaufen kann), sondern auch auf die Zubereitung und mindestens eine Million andere Dinge. Zum Beispiel dürfen Juden nicht gleichzeitig Fleisch und Milchprodukte essen (das heißt: Pizza entweder mit Käse oder mit Fleisch), weswegen die meisten Restaurants sich spezialisiert haben, entweder servieren sie Fleisch- ODER Milchgerichte (was für Vegetarier natürlich Vorteile hat, weil man nicht immer misstrauisch im Essen herumstochern muss. In Nes Ammim gibt es morgens und abends nur Milchgerichte, dafür fällt die Beute mittags manchmal ein wenig mager aus).Aber nicht genug damit, dass man Milch und Fleisch nicht gleichzeitig essen darf, sie dürfen auch nicht mit dem selben Besteck gegessen oder auf den gleichen Tellern serviert werden.

Sehr religiöse Juden haben sogar zwei Spülmaschinen, damit nicht das Milchgeschirr unkosher wird, weil man es in einer Spülmaschine gewaschen hat, die durch den gemischten Gebrauch von Fleisch- und Milchgeschirr unkosher geworden ist. Hier in Nes Ammim begnügen wir uns übrigens mit einer riesigen Spülmaschine, aber es gibt unterschiedliche Körbe in verschiedenen Farben, je nachdem, was gerade gewaschen werden muss.
Eier scheinen übrigens besonders kompliziert zu sein, denn wenn man die brät, sind sie nur dann kosher, wenn sie auch von einem Juden aufgeschlagen wurden (das Wenden ist kein Problem und darf auch von Nicht-Juden durchgeführt werden). Das führt zu gewissen Problemen, wenn morgens in der Küche nur Volontäre anwesend sind, denn jeden Tag kommt eine Person, die die Küche überprüft, um nachzusehen, ob alles mit rechten (also kosheren) Dingen zugeht. Deswegen werden schon im Voraus immer Absprachen getroffen: "Wenn jemand fragt, dann sagst du, dass Sara den ersten Schwung Eier aufgeschlagen hat und dann wieder zur Rezeption gegangen ist" "Aber Sara ist doch heute gar nicht hier!" "Na, dann sag eben, dass es Schmulik war." (Und wer Schmulik einmal gesehen hat mit seiner grauen Löwenmähne und der Arbeitskleidung vom Technischen Service, wird ganz bestimmt glauben, dass er extra in die Küche kommt, um einen Haufen Eier in die Pfanne zu schlagen, aber sicher...).
Und was es auch noch gibt: kosheres Toilettenpapier! (Das ist schon geschnittenes Toilettenpapier, denn am Shabbat ist es Juden verboten, etwas von der Rolle abzureißen. Für mich nicht nachvollziehbar, aber an so etwas muss man sich hier gewöhnen. Wer am Shabbat im Housekeeping arbeitet, muss dann auch nicht nur morgens arbeiten, sondern auch abends noch einmal durch alle Räume gehen. Der Shabbat beginnt ja schon am Freitagabend, und da gläubige Juden dann zum Beispiel keinen Lichtschalter bedienen dürfen, brennt ab Freitagabend in allen Zimmern durchgehend das Licht, die Klimaanlage arbeitet auf höchster Stufe und der Fernseher dudelt munter vor sich hin. Besonders genervte Volontäre, denen es zu anstrengend ist, jeden Fernseher auszuschalten, ziehen auch schon einfach mal die Stecker aus der Wand).
Der Begriff kosher (bedeutet glaube ich so viel wie 'rein') bezieht sich nicht nur auf Nahrungsmittel (wie zum Beispiel Schweinefleisch, das unkosher ist und das man hier eigentlich nur in russischen Supermärkten kaufen kann), sondern auch auf die Zubereitung und mindestens eine Million andere Dinge. Zum Beispiel dürfen Juden nicht gleichzeitig Fleisch und Milchprodukte essen (das heißt: Pizza entweder mit Käse oder mit Fleisch), weswegen die meisten Restaurants sich spezialisiert haben, entweder servieren sie Fleisch- ODER Milchgerichte (was für Vegetarier natürlich Vorteile hat, weil man nicht immer misstrauisch im Essen herumstochern muss. In Nes Ammim gibt es morgens und abends nur Milchgerichte, dafür fällt die Beute mittags manchmal ein wenig mager aus).Aber nicht genug damit, dass man Milch und Fleisch nicht gleichzeitig essen darf, sie dürfen auch nicht mit dem selben Besteck gegessen oder auf den gleichen Tellern serviert werden.
Sehr religiöse Juden haben sogar zwei Spülmaschinen, damit nicht das Milchgeschirr unkosher wird, weil man es in einer Spülmaschine gewaschen hat, die durch den gemischten Gebrauch von Fleisch- und Milchgeschirr unkosher geworden ist. Hier in Nes Ammim begnügen wir uns übrigens mit einer riesigen Spülmaschine, aber es gibt unterschiedliche Körbe in verschiedenen Farben, je nachdem, was gerade gewaschen werden muss.
Eier scheinen übrigens besonders kompliziert zu sein, denn wenn man die brät, sind sie nur dann kosher, wenn sie auch von einem Juden aufgeschlagen wurden (das Wenden ist kein Problem und darf auch von Nicht-Juden durchgeführt werden). Das führt zu gewissen Problemen, wenn morgens in der Küche nur Volontäre anwesend sind, denn jeden Tag kommt eine Person, die die Küche überprüft, um nachzusehen, ob alles mit rechten (also kosheren) Dingen zugeht. Deswegen werden schon im Voraus immer Absprachen getroffen: "Wenn jemand fragt, dann sagst du, dass Sara den ersten Schwung Eier aufgeschlagen hat und dann wieder zur Rezeption gegangen ist" "Aber Sara ist doch heute gar nicht hier!" "Na, dann sag eben, dass es Schmulik war." (Und wer Schmulik einmal gesehen hat mit seiner grauen Löwenmähne und der Arbeitskleidung vom Technischen Service, wird ganz bestimmt glauben, dass er extra in die Küche kommt, um einen Haufen Eier in die Pfanne zu schlagen, aber sicher...).
Und was es auch noch gibt: kosheres Toilettenpapier! (Das ist schon geschnittenes Toilettenpapier, denn am Shabbat ist es Juden verboten, etwas von der Rolle abzureißen. Für mich nicht nachvollziehbar, aber an so etwas muss man sich hier gewöhnen. Wer am Shabbat im Housekeeping arbeitet, muss dann auch nicht nur morgens arbeiten, sondern auch abends noch einmal durch alle Räume gehen. Der Shabbat beginnt ja schon am Freitagabend, und da gläubige Juden dann zum Beispiel keinen Lichtschalter bedienen dürfen, brennt ab Freitagabend in allen Zimmern durchgehend das Licht, die Klimaanlage arbeitet auf höchster Stufe und der Fernseher dudelt munter vor sich hin. Besonders genervte Volontäre, denen es zu anstrengend ist, jeden Fernseher auszuschalten, ziehen auch schon einfach mal die Stecker aus der Wand).
Samstag, 21. August 2010
Bäume in Alufolie.
Grüße aus der Hitzewelle.
Selbst für israelische Verhältnisse ist es hier gerade unerträglich warm, und mit drei Mal duschen am Tag kommt man kaum aus (und das ist die Anzahl für einen arbeitsfreien bzw. Klimaanlage-beinhaltenden Tag). Auch nachts kühlt es nicht mehr merklich herunter.
Darum machten wir uns gestern an unserem freien Tag auf zum Banana-Beach, allerdings mit dem Fahrrad, denn da unser Bus immer noch in der Reperatur ist (seit ungefähr drei Wochen), ist das Auto kaum noch zu bekommen. Wir radelten also tapfer mit dem Fahrrad 45 Minuten an der
Strandpromenade entlang, und holten uns an diesem Vormittag den Sonnenbrand des Monats. Mir ist übrigens schon auf dem Hinweg ein FlipFlop kaputtgegangen, und weder Pedale noch kochendheißer Steinboden sind barfuß sonderlich angenehm. Auf dem Rückweg mussten wir also noch ins ShoppingCenter von Regba fahren, um neue Schuhe für mich zu finden, es ist übrigens gar nicht so leicht, mit nur einem FlipFlop am Sicherheitsbeamten am Eingang vorbeizukommen (ein anklagendes: "You're just wearing one FlipFlop!" - keine Schuhe war übrigens schon mal der Grund, warum man draußen bleiben musste).
Abends sind wir zur Pool-Party nach Beit haEmeq gegangen, das ist ein Nachbarkibbutz. In Beit haEmeq leben zum Beispiel viele ausländische junge Juden, die in der israelischen Armee dienen wollen, die bekommen dann eine Kibbutz-Familie, bei der sie leben, wenn sie am Wochenende frei haben.

Aus irgendeinem nicht näher nachvollziehbaren Grund waren die Bäume dort alle mit Alufolien umwickelt, keine Ahnung, ob sie das getan haben, damit die Discolichter besser reflektiert wurden, es sah jedenfalls lustig aus...
Nach Beta Emek kommt man, wenn man ungefähr dreißig Minuten durch die Felder und Avocado-Plantagen läuft, und da Korinna schon etwas früher als der andere Teil der Gruppe nach Hause wollte (und man ja niemanden alleine gehen lassen sollte), habe ich sie begleitet. Wir gingen also los, und gingen, und gingen. Um vier Uhr morgens standen wir dann im Stockdunkeln irgendwo zwischen Avocado-Bäumen und hatten absolut keine Ahnung, wo wir waren, geschweige denn wo Nes Ammim war. Um uns herum zirpte es munter im Gras, und von Zeit zu Zeit fingen links von uns an die Kojoten zu heulen, worauf dann eine begeisterte Antwort von rechts gebellt wurde. Wir spielten sämtliche unserer Optionen durch (weitergehen: wer weiß, wo man rauskommt. zurückgehen: wo sind wir noch mal hergekommen? jemanden anrufen: vermutlich, um eine hervorragende Lagebeschreibung durchzugeben: "Ähh, ja, also rechts von uns sind Avocado-Bäume, und links ist offenes Feld, und wir stehen neben einem großen Stein, weißt du, welchen wir meinen?"). Schließlich entschieden wir uns für die einzig übriggebliebene Möglichkeit (hinlegen, schlafen, auf den Sonnenaufgang warten), als der Wind uns das leise Brummen der Klimaanlage der Guesthouses von Nes Ammim zutrug. Schnell orientierten wir uns anhand der Lichter der arabischen Dörfer (welche Aussicht kommt uns am bekanntesten vor?) und folgten dann dem Brummen, und erreichten schließlich tatsächlich den Eingang von Nes Ammim. Freundlicherweise öffnete uns der Nightwatch sogar die Schranke, sodass wir bequem geradewegs ins Dorf marschieren konnten. Nur unser "Lass-uns-einen-Kakao-auf-diesen-Schrecken-trinken"-Vorhaben scheiterte, und zwar anhand vorbildlich abgeschlossener Kühlschränke.
Selbst für israelische Verhältnisse ist es hier gerade unerträglich warm, und mit drei Mal duschen am Tag kommt man kaum aus (und das ist die Anzahl für einen arbeitsfreien bzw. Klimaanlage-beinhaltenden Tag). Auch nachts kühlt es nicht mehr merklich herunter.
Darum machten wir uns gestern an unserem freien Tag auf zum Banana-Beach, allerdings mit dem Fahrrad, denn da unser Bus immer noch in der Reperatur ist (seit ungefähr drei Wochen), ist das Auto kaum noch zu bekommen. Wir radelten also tapfer mit dem Fahrrad 45 Minuten an der
Abends sind wir zur Pool-Party nach Beit haEmeq gegangen, das ist ein Nachbarkibbutz. In Beit haEmeq leben zum Beispiel viele ausländische junge Juden, die in der israelischen Armee dienen wollen, die bekommen dann eine Kibbutz-Familie, bei der sie leben, wenn sie am Wochenende frei haben.
Aus irgendeinem nicht näher nachvollziehbaren Grund waren die Bäume dort alle mit Alufolien umwickelt, keine Ahnung, ob sie das getan haben, damit die Discolichter besser reflektiert wurden, es sah jedenfalls lustig aus...
Nach Beta Emek kommt man, wenn man ungefähr dreißig Minuten durch die Felder und Avocado-Plantagen läuft, und da Korinna schon etwas früher als der andere Teil der Gruppe nach Hause wollte (und man ja niemanden alleine gehen lassen sollte), habe ich sie begleitet. Wir gingen also los, und gingen, und gingen. Um vier Uhr morgens standen wir dann im Stockdunkeln irgendwo zwischen Avocado-Bäumen und hatten absolut keine Ahnung, wo wir waren, geschweige denn wo Nes Ammim war. Um uns herum zirpte es munter im Gras, und von Zeit zu Zeit fingen links von uns an die Kojoten zu heulen, worauf dann eine begeisterte Antwort von rechts gebellt wurde. Wir spielten sämtliche unserer Optionen durch (weitergehen: wer weiß, wo man rauskommt. zurückgehen: wo sind wir noch mal hergekommen? jemanden anrufen: vermutlich, um eine hervorragende Lagebeschreibung durchzugeben: "Ähh, ja, also rechts von uns sind Avocado-Bäume, und links ist offenes Feld, und wir stehen neben einem großen Stein, weißt du, welchen wir meinen?"). Schließlich entschieden wir uns für die einzig übriggebliebene Möglichkeit (hinlegen, schlafen, auf den Sonnenaufgang warten), als der Wind uns das leise Brummen der Klimaanlage der Guesthouses von Nes Ammim zutrug. Schnell orientierten wir uns anhand der Lichter der arabischen Dörfer (welche Aussicht kommt uns am bekanntesten vor?) und folgten dann dem Brummen, und erreichten schließlich tatsächlich den Eingang von Nes Ammim. Freundlicherweise öffnete uns der Nightwatch sogar die Schranke, sodass wir bequem geradewegs ins Dorf marschieren konnten. Nur unser "Lass-uns-einen-Kakao-auf-diesen-Schrecken-trinken"-Vorhaben scheiterte, und zwar anhand vorbildlich abgeschlossener Kühlschränke.
Montag, 16. August 2010
Luftballons über Jerusalem.
Zurück aus Jerusalem. Auch wenn wir zu Anfang gewisse Probleme hatten, uns mit dem Auto in Jerusalem fortzubewegen (bevor wir typisch deutsche Eigenschaften wie Sicherheitsabstand, Zurückhaltung und verantwortungsbewusstes Fahren abgelegt hatten), fanden wir tatsächlich ein Hostel, geführt von französischen Franziskanerinnen, in dem wir bleiben konnten, und das außerdem direkt am Damaskustor lag.
Woran man sich in Jerusalem eindeutig erst gewöhnen muss, ist die noch ausgeprägtere Militärpräsenz. Überall sieht man bewaffnete Polizeieinheiten oder Soldaten, egal ob vor Kirchen, auf Plätzen oder um Cafés herum.
Am ersten Nachmittag machten wir - wie es sich für typische Touristen gehört - eine Tour durch Jersualem mit FREE TOURS (gibt es in vielen Städten, man darf umsonst mitgehen und hinterher Trinkgeld geben, sehr geeignet für Volontäre mit leichtem Geldbeutel), sehr anstrengend in der Sonne und nach der langen Autofahrt, aber dafür bekamen wir einen Überblick und wussten danach, was wir uns noch einmal in Ruhe ansehen wollten. Abends sind wir dann kurz vor Schließung zur Grabeskirche gegangen, als es schon dunkel war, was der beste Zeitpunkt war, denn es waren kaum noch Touristen darin; andernfalls wäre sie sicher nicht so beeindruckend gewesen (der einzige Störfaktor war die Gruppe von Armeniern, die vor der Stelle, an der Jesus früher angeblich aufgebahrt gewesen sein soll, posten und ein Foto nach dem anderen schossen (mit breitem Lächeln und Victory-Zeichen)).
Außerdem haben wir herausgefunden, dass man auch mit verstaubten Klamotten und billigen Taschen ins King David Hotel kommt, wenn man nur entschlossen genug ist. Wir folgten eine Weile dem 'Walk of Fame' (oder wie auch immer das genannt wird) im Hotel, eine weiße Kachelreihe, auf der berühmte Leute unterschrieben haben (über Niveau und Wichtigkeit lässt sich streiten: direkt über Nelson Mandela und Leonard Bernstein hatte sich Axel Springer verewigt). Schließlich wagten wir uns auch ins oberste Geschoss und entdeckten voller Freude die marsan (das hebräische Wort für Abstellkammer, wo zum Beispiel Putzutensilien gelagert werden); als erfahrene Housekeeping-Leute war das natürlich sehr interessant. Es muss allerdings hinzugefügt werden, dass wir in NesAmmim immer sehr darauf bedacht sind, die marsan auch wieder abzuschließen, wenn sie nicht mehr in Gebrauch ist.
In den Felsendom sind wir leider nicht reingekommen, erstens war Ramadan (am Anfang haben wir uns noch jedes Mal erschrocken, wenn Feuerwerkskörper abgeschossen wurden, aber nach einer Weile gewöhnt man sich daran) und zweitens muss man seit einem Anschlag 2003 einen Antrag im Voraus stellen, dem dann stattgegeben wird oder eben nicht - davon wussten wir allerdings nichts. Dafür verbrachten wir den Nachmittag in Mea Shearim, dem Viertel der ultraorthoxen Juden. Es war absolut surreal, ich habe mich gefühlt wie in einem Freilichtmuseum, als würde man um 200 Jahre in der Zeit zurückversetzt (abgesehen von den Autos, die dann doch durch die Straßen gefahren sind). Wir haben uns übrigens an die strengen Kleidervorschriften gehalten, hatten extra lange, schwarze Röcke gekauft und weiße Blusen mitgebracht, die sowohl Arme als auch den Ausschnitt völlig verdecken. Für die Touristen sahen wir anscheinend überzeugend aus (sie machten aufgeregt Fotos von uns), die Bewohner Mea Shearims konnten wir allerdings nicht täuschen, als wir das Viertel schon fast wieder verlassen hatten, wurden wir von einer Gruppe von kleineren Jungen angespuckt.
Die ultraorthodoxen Juden sind übrigens keine Zionisten, wie man denken könnte, im Gegenteil, sie sind der Meinung, dass Juden erst dann einen Staat in Israel gründen sollen, wenn der Messias gekommen ist; darum weigern sich viele von ihnen zum Beispiel auch, Steuern zu zahlen oder zum Militär zu gehen.
Nach einen morgendlichen Marsch auf den Ölberg (am nächsten Tag) und wieder herunter fuhren wir nach Yad Vashem , dem Holocaust-Museum in Jerusalem. Definitiv einen Besuch wert, falls es euch mal nach Jerusalem verschlagen sollte, ich war noch nie in einem so beeindruckenden Museum, das geht einem wirklich ganz schön an die Nieren.
Nachdem wir uns abends noch einmal reichlich mit Brot eingedeckt hatten (und dafür eine Menge böser Blicke von den muslimischen Straßenhändlern geerntet hatten, denn die durften ja wegen Ramadan vorerst nicht essen) und fast gestorben wären (zumindest vor Schreck), als uns auf einer unglaublich steilen Straße drei Mal der Motor ausgegangen war,
Morgens um vier machten wir uns wieder auf den Weg, denn wir wollten den Schlangenpfad bezwingen, der nach Massada führt, und das tut man am besten im Dunkeln, denn wenn die Sonne aufgeht, wird es unerträglich heiß. Wir kamen gerade, gerade noch rechtzeitig oben an (es ist ein ziemlich anstrengender Aufstieg):
Nach einem schon ziemlich heißen Abstieg um neun Uhr morgens fuhren wir weiter ans Tote Meer, das aber nicht für Abkühlung sorgte und uns obendrein noch die Fußsohlen verbrannte (auch wenn es lustig ist, immer oben zu schwimmen, egal wie sehr man sich bemüht es nicht zu tun).
Irgendwo zwischen Ein Gedi und Nazareth war ich dann am Steuer so müde, dass mir wirklich schon die Augen zufielen - kurz vor dem Grenzübergang (um in den Süden zu kommen, muss man auf vielen Wegen in die West-Bank hineinfahren, und da stehen eben immer Soldaten an der Grenze). Ich hoffte also auf ein Gespräch, das mich wieder wach machen würde, aber meistens gehen solche Wünsche ja viel besser in Erfüllung, als man sich das eigentlich vorgestellt hatte. Die vorausgegangen drei Male wurden wir immer hindurchgewinkt, aber diesmal mussten wir unsere Reisepässe vorzeigen, und die gefielen ihnen wohl irgendwie nicht. Sei es, weil einer von ihnen grün war, sei es, weil wir eine Holländerin im Auto hatten (die werden hier immer sehr scharf durchsucht, wegen Drogen, kein Witz), wir wurden jedenfalls herausgewunken und gebeten, all unser Gepäck aus dem Auto zu laden. Wir waren mit fünf Mädchen unterwegs, und hinzu kam noch der Umstand, dass wir unsere Wüsten-Camping-Ausrüstung dabei hatten: als wir die Kofferraumklappe öffneten, konnte man förmlich zusehen, wie dem Grenzbeamten (natürlich mit Maschinengewehr und Sonnenbrille, wir wollen ja keine Klischees auslassen) das Gesicht einfiel, so hatte er sich das anscheinend nicht vorgestellt. Trotzdem packten wir alles brav aus Durchleuchtungsband, und nachdem ein Drogenhund unser Auto durchschnüffelt hatte, durften wir alles wieder einpacken und unseren Weg fortsetzen. Wieder in Nes Ammim angekommen, ignorierten wir alle Leute, die wissen wollten, wie es uns geht, und stürmten schnurstracks in den Duschcontainer - ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr man hier von dem Gedanken an eine Dusche besessen sein kann...
Samstag, 7. August 2010
Der Großmutter sei's gedankt...
... denn die hat ihre Enkelkinder schon von klein auf daran gewöhnt, im Süden auf Wanderschaft zu gehen: kurzerhand um fünf Uhr morgens geweckt und zum Bus geschleppt, mussten sie die darauffolgenden Stunden über griechische Steine stapfen, damit der Marsch dann um zehn Uhr, wenn es langsam heiß wurde, auch beendet war.
Gewandert bin ich in den letzten Tagen auch hier, aber nichts morgens, wenn es kühl war, sondern zu allen anderen möglichen Zeitpunkten. Donnerstagnachmittag waren wir in Monteforte, angeblich steht da eine alte Kreuzfahrerfestung, aber die haben wir immer nur von ferne gesehen, während wir den Rest des Tales erwandert haben. Wir wollten nach unten, dahin, wo das Wasser war - und als wir fast unten im Tal waren, sind wir misstrauisch geworden, dachten: Nein, das kann unmöglich der richtige Weg sein, sind umgekehrt und haben den blauen Wanderweg genommen (in diesem Falle hat die Markierung BLAU anscheinend nichts mit WASSER zu tun). Die nächsten 2 1/2 Stunden kletterten wir also munter über Stock und Stein, bis wir schließlich doch noch unten ankamen und kurz ins Wasser hüpften. Dann fiel mir auf, dass ich weder trockene Sachen noch ein Handtuch eingepackt hatte, ich musste also alles wieder über den nassen Bikini ziehen und den Rest des Weges so antreten, und das ging ganz fix, die Sonne war nämlich kurz vor dem Untergehen (das passiert hier in Israel schon gegen 20 Uhr und in einem rasanten Tempo), und unsere Chancen standen schlecht, ohne Sonne unverletzt wieder am Parkplatz anzukommen: wir hetzten also in vierzig Minuten den Berg wieder hinauf und kamen gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang oben an.
Am nächsten Tag hat es mich ins Wadi Yehudiya verschlagen, einer "Wanderung", bei der man Teile des Weges nur schwimmend (samt Kleidung, Schuhen und Rucksack) antreten kann. Beispielsweise mussten wir erst eine neun Meter lange Leiter herunterklettern, von der letzten Sprosse ins Wasser springen (das ist da nämlich bereits so tief, dass man nicht mehr stehen kann) und den See durchschwimmen, nachdem man von seinem sich schnell mit Luft füllenden Rucksack wieder an die Oberfläche gezogen wird.
Vier Stunden also verbrachte ich damit, mit den Füßen auf einem fünf Zentimeter breiten Felsensims zu balancieren, während ich mich mit den Fingerspitzen an glühendheiße Metallstäbe, die in den Felsen eingelassen waren, klammerte. Aber ich muss sagen, es hat sich gelohnt, wer mich besucht, muss die Wanderung mit mir machen, ihr seid gewarnt (:
Abends wollten wir dann mit dem NesBus nach Ein HaMifratz fahren, das ist ein Kibbutz in der Nähe von Akko, in dem eine unserer Sekretärinnen lebt, und in dem an diesem Abend eine JamSession war. Leider hatte der Bus an diesem Tag seinen vorerst letzten Schnaufer getan und war am See Genezareth liegengeblieben (worauf neun der beteiligten Insassen, davon vier kleine Kinder, per Anhalter zur nächsten Bushaltestelle bzw. ganz nach Nes Ammim zurücktrampen mussten). Flugs wurde also umgesattelt, nun musste das Auto herhalten, und nachdem vier Leute noch kurzfristig abgesprungen waren, war ich auf einmal die einzige, die fahren durfte. Nachdem ich also die ersten Kilometer während des Fahrens noch herauszufinden versuchte, wo man denn nun das Fernlicht an- und ausschaltet, wie genau die Klimaanlange bedient wird und Deborah auf dem Beifahrersitz mit meinem unverständlichen aber eindeutig hochpanischen Gebrabbel genervt hatte, kamen wir tatsächlich irgendwann an. Das Glück war uns auch gewogen, der Verkehr ist am Shabbat relativ beruhigt, und ich war in der Lage, mir die einzigen beiden Verkehrsregeln, die es in Israel gibt (Halten an Stopschildern und roten Ampeln) zu merken. Es wird lustig für alle, die nach einem Jahr wieder in Deutschland mit mir Auto fahren werden. Den Schulterblick gibt es hier nur, wenn man was in seiner Handtasche auf dem Rücksitz sucht.
Die JamSession war jedenfalls richtig chillig, wir saßen draußen und haben der Band zugehört, die immer nach Reggae klang, egal ob sie Bob Marley oder die BlackEyedPeas spielten, und auch die kurze Unterbrechung durch den Aufmarsch der Polizei (die Besitzerin des Kibbutz-Pubs war beledigit, weil alle draußen auf der Wiese saßen anstatt bei ihr und erstattete deswegen mal flugs Anzeige wegen Ruhestörung) konnte das Ganze nicht wirklich stören.
Gewandert bin ich in den letzten Tagen auch hier, aber nichts morgens, wenn es kühl war, sondern zu allen anderen möglichen Zeitpunkten. Donnerstagnachmittag waren wir in Monteforte, angeblich steht da eine alte Kreuzfahrerfestung, aber die haben wir immer nur von ferne gesehen, während wir den Rest des Tales erwandert haben. Wir wollten nach unten, dahin, wo das Wasser war - und als wir fast unten im Tal waren, sind wir misstrauisch geworden, dachten: Nein, das kann unmöglich der richtige Weg sein, sind umgekehrt und haben den blauen Wanderweg genommen (in diesem Falle hat die Markierung BLAU anscheinend nichts mit WASSER zu tun). Die nächsten 2 1/2 Stunden kletterten wir also munter über Stock und Stein, bis wir schließlich doch noch unten ankamen und kurz ins Wasser hüpften. Dann fiel mir auf, dass ich weder trockene Sachen noch ein Handtuch eingepackt hatte, ich musste also alles wieder über den nassen Bikini ziehen und den Rest des Weges so antreten, und das ging ganz fix, die Sonne war nämlich kurz vor dem Untergehen (das passiert hier in Israel schon gegen 20 Uhr und in einem rasanten Tempo), und unsere Chancen standen schlecht, ohne Sonne unverletzt wieder am Parkplatz anzukommen: wir hetzten also in vierzig Minuten den Berg wieder hinauf und kamen gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang oben an.
Am nächsten Tag hat es mich ins Wadi Yehudiya verschlagen, einer "Wanderung", bei der man Teile des Weges nur schwimmend (samt Kleidung, Schuhen und Rucksack) antreten kann. Beispielsweise mussten wir erst eine neun Meter lange Leiter herunterklettern, von der letzten Sprosse ins Wasser springen (das ist da nämlich bereits so tief, dass man nicht mehr stehen kann) und den See durchschwimmen, nachdem man von seinem sich schnell mit Luft füllenden Rucksack wieder an die Oberfläche gezogen wird.
Vier Stunden also verbrachte ich damit, mit den Füßen auf einem fünf Zentimeter breiten Felsensims zu balancieren, während ich mich mit den Fingerspitzen an glühendheiße Metallstäbe, die in den Felsen eingelassen waren, klammerte. Aber ich muss sagen, es hat sich gelohnt, wer mich besucht, muss die Wanderung mit mir machen, ihr seid gewarnt (:
Abends wollten wir dann mit dem NesBus nach Ein HaMifratz fahren, das ist ein Kibbutz in der Nähe von Akko, in dem eine unserer Sekretärinnen lebt, und in dem an diesem Abend eine JamSession war. Leider hatte der Bus an diesem Tag seinen vorerst letzten Schnaufer getan und war am See Genezareth liegengeblieben (worauf neun der beteiligten Insassen, davon vier kleine Kinder, per Anhalter zur nächsten Bushaltestelle bzw. ganz nach Nes Ammim zurücktrampen mussten). Flugs wurde also umgesattelt, nun musste das Auto herhalten, und nachdem vier Leute noch kurzfristig abgesprungen waren, war ich auf einmal die einzige, die fahren durfte. Nachdem ich also die ersten Kilometer während des Fahrens noch herauszufinden versuchte, wo man denn nun das Fernlicht an- und ausschaltet, wie genau die Klimaanlange bedient wird und Deborah auf dem Beifahrersitz mit meinem unverständlichen aber eindeutig hochpanischen Gebrabbel genervt hatte, kamen wir tatsächlich irgendwann an. Das Glück war uns auch gewogen, der Verkehr ist am Shabbat relativ beruhigt, und ich war in der Lage, mir die einzigen beiden Verkehrsregeln, die es in Israel gibt (Halten an Stopschildern und roten Ampeln) zu merken. Es wird lustig für alle, die nach einem Jahr wieder in Deutschland mit mir Auto fahren werden. Den Schulterblick gibt es hier nur, wenn man was in seiner Handtasche auf dem Rücksitz sucht.
Die JamSession war jedenfalls richtig chillig, wir saßen draußen und haben der Band zugehört, die immer nach Reggae klang, egal ob sie Bob Marley oder die BlackEyedPeas spielten, und auch die kurze Unterbrechung durch den Aufmarsch der Polizei (die Besitzerin des Kibbutz-Pubs war beledigit, weil alle draußen auf der Wiese saßen anstatt bei ihr und erstattete deswegen mal flugs Anzeige wegen Ruhestörung) konnte das Ganze nicht wirklich stören.
Mittwoch, 4. August 2010
Rosh haNikra
Letztens waren wir mit dem Fahrrad in Rosh haNikra, das sind Kreidefelsen an der libanesischen Grenze. Nachdem wir unsere Fahrräder natürlich klugerweise am Fuß des Berges und nicht auf dem Parkplatz am Eingang oben abgestellt hatten, mussten wir eine ganze Weile nach oben klettern, um dann mit der Seilbahn wieder nach unten zu fahren.
Die Grotten in den Felsen wurden vom Wasser ausgespült, und es schwappt immer noch eine ganze Menge hindurch, manchmal muss man sogar die Sekunden zählen, um gerade dann über eine Brücke zu laufen, wenn die nächste Welle erst im Anrollen ist, sonst wird man sehr sehr nass & salzig.
In einer Höhle (allerdings trocken) wird auch ein Film gezeigt über die Entstehung der Grotten und der Tunnel (die wurden nämlich in den Berg hineingesprengt). Der Film war ganz lustig, die Hintergrundmusik klang nämlich die ganze Zeit so, als würde sie aus einem Horrorfilm stammen, auch, wenn gerade Seelöwen zu sehen waren oder Schildkröten aus ihren Eiern schlüpften und zum Wasser robbten. Und immer, wenn auf der Leinwand Wellen zu sehen waren, die laut grollend gegen die Felsen krachten, wurde von der Decke Wasser gespritzt, das nenne ich mal eine willkommene Abwechslung ;P
36 Grad und es wird noch heißer.
So kommt es einem zumindest vor: ich sitze direkt vor dem Ventilator n meiner Barracke, und trotzdem ist es fast unerträglich (vor allem, wenn er sich gerade surrend in eine andere Richtung dreht). Es kommt mir so vor, als würde es jeden Tag heißer werden, aber schließlich kann man sich mit dem Gedanken trösten, dass die Regenzeit (und damit kühlere Temperaturen) auch irgendwann kommen wird, und zwar schon in zwei bis drei Monaten, kein Problem, würde ich sagen (:
Auch ansonsten geht es hier hoch her, ihr habt bestimmt von den Raketenangriffen auf Eilat und Aqaba und dem Zwischenfall an der libanesischen Grenze gehört. Ich habe das vor allem gestern mitbekommen, als ich Leuten im Guesthouse neue Handtücher bringen musste (während meiner Arbeitszeit an der Rezeption, wohlgemerkt, nicht im Housekeeping. Ich musste ihnen sogar einen Kühlschrank die Treppe hochschleppen), sie hatten ihren Fernseher laufen, und die Nachrichten sind voll davon. Manche Leute hier sind sehr besorgt und fürchten einen neuen Krieg, aber insgesamt scheint sich die Lage wieder beruhigt zu haben, kein Grund zur Sorge also. Angeblich haben aber gestern Abend die anderen Volontäre, die nicht arbeiten mussten und abends draußen saßen, gehört, wie israelische Kriegsschiffe auf dem Meer Warnschüsse abgefeuert haben. Aber wie gesagt, keine Sorge, hier geht alles seinen gewohnten Gang, und langsam kommen immer mehr Volontäre für die nächste Zeit an, auch wenn viele Short-Termer sind und nur für zwei bis drei Monate bleiben.
By the way... I was crossing Jordan.
... das habe ich im wörtlichen (Überquerung des Jordan) und nicht im übertragenen Sinne (sterben/aus der Sklaverei ins Land der Freiheit fliehen/ vgl. diese Fernsehserie über eine Pathologin namens Jordan) getan. Ich war mit drei anderen Nes Ammimern auf den Weg zur Wadi-Wanderung, als ich vor der Jordan-Brücke aus dem Auto geschmissen wurde und sie zu Fuß überqueren musste (eine Art inoffizieller Aufnahmeritus). Auf der einen Seite war es schon irgendwie ein erhebendes Gefühl, über dem Jordan zu stehen, aber andererseits musste ich erst mal eine ganze Weile angestrengt nach unten starren, bis ich das kleine Bächlein mit Touristen in Kanus als Jordan identifizieren konnte, er war nämlich halb vom Schilf verdeckt. Überhaupt war unsere Wadi-Tour sehr lustig, sie führte die ganze Zeit durch ein Flussbett, das mal knöcheltief mit Wasser gefüllt war, bis hin zu den Stellen, an denen man schwimmen musste - samt Rucksack und Kleidung. An meiner Fertigkeit, Lebensmittel wasserfest in Plastiktüten einzupacken, muss ich eindeutig noch arbeiten, mein Mittagessen ist nämlich im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen.
Am Tag danach hatte ich das volle Kontrastprogramm: wir sind nach Bet Sche'an gefahren, eine Ausgrabungsstätte, die ungefähr eine halbe Stunde von Tiberias am See Genezareth entfernt ist. Weil man sich dort ungefähr 200 Meter unter dem Meeresspiegel aufhält, steht die Luft - und das bei 45 Grad. Unser Grüppchen war auch das einzige dort (übrigens sehr lustig: ich bin mit einer meiner Lehrerinnen dor gewesen, die habe ich überraschend hier getroffen, weil sie ihren Bruder besucht, der das letzte Jahr über hier war und bald wieder nach Hause geht. So klein ist die Welt), alle anderen Touristen schienen nicht in der prallen Sonne das Amphitheater besichtigen zu wollen.
Als wir einen einsam in der Gegend herumstehenden Rasensprenger fanden, stellten wir uns erst mal hinein und klauten dem Baum sein Wasser - aber man trocknet bei der Hitze ja sowieso schnell wieder.
Auch ansonsten geht es hier hoch her, ihr habt bestimmt von den Raketenangriffen auf Eilat und Aqaba und dem Zwischenfall an der libanesischen Grenze gehört. Ich habe das vor allem gestern mitbekommen, als ich Leuten im Guesthouse neue Handtücher bringen musste (während meiner Arbeitszeit an der Rezeption, wohlgemerkt, nicht im Housekeeping. Ich musste ihnen sogar einen Kühlschrank die Treppe hochschleppen), sie hatten ihren Fernseher laufen, und die Nachrichten sind voll davon. Manche Leute hier sind sehr besorgt und fürchten einen neuen Krieg, aber insgesamt scheint sich die Lage wieder beruhigt zu haben, kein Grund zur Sorge also. Angeblich haben aber gestern Abend die anderen Volontäre, die nicht arbeiten mussten und abends draußen saßen, gehört, wie israelische Kriegsschiffe auf dem Meer Warnschüsse abgefeuert haben. Aber wie gesagt, keine Sorge, hier geht alles seinen gewohnten Gang, und langsam kommen immer mehr Volontäre für die nächste Zeit an, auch wenn viele Short-Termer sind und nur für zwei bis drei Monate bleiben.
By the way... I was crossing Jordan.
... das habe ich im wörtlichen (Überquerung des Jordan) und nicht im übertragenen Sinne (sterben/aus der Sklaverei ins Land der Freiheit fliehen/ vgl. diese Fernsehserie über eine Pathologin namens Jordan) getan. Ich war mit drei anderen Nes Ammimern auf den Weg zur Wadi-Wanderung, als ich vor der Jordan-Brücke aus dem Auto geschmissen wurde und sie zu Fuß überqueren musste (eine Art inoffizieller Aufnahmeritus). Auf der einen Seite war es schon irgendwie ein erhebendes Gefühl, über dem Jordan zu stehen, aber andererseits musste ich erst mal eine ganze Weile angestrengt nach unten starren, bis ich das kleine Bächlein mit Touristen in Kanus als Jordan identifizieren konnte, er war nämlich halb vom Schilf verdeckt. Überhaupt war unsere Wadi-Tour sehr lustig, sie führte die ganze Zeit durch ein Flussbett, das mal knöcheltief mit Wasser gefüllt war, bis hin zu den Stellen, an denen man schwimmen musste - samt Rucksack und Kleidung. An meiner Fertigkeit, Lebensmittel wasserfest in Plastiktüten einzupacken, muss ich eindeutig noch arbeiten, mein Mittagessen ist nämlich im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen.
Am Tag danach hatte ich das volle Kontrastprogramm: wir sind nach Bet Sche'an gefahren, eine Ausgrabungsstätte, die ungefähr eine halbe Stunde von Tiberias am See Genezareth entfernt ist. Weil man sich dort ungefähr 200 Meter unter dem Meeresspiegel aufhält, steht die Luft - und das bei 45 Grad. Unser Grüppchen war auch das einzige dort (übrigens sehr lustig: ich bin mit einer meiner Lehrerinnen dor gewesen, die habe ich überraschend hier getroffen, weil sie ihren Bruder besucht, der das letzte Jahr über hier war und bald wieder nach Hause geht. So klein ist die Welt), alle anderen Touristen schienen nicht in der prallen Sonne das Amphitheater besichtigen zu wollen.
Abonnieren
Posts (Atom)