Das hat meine Gastmutter natürlich in Zugzwang gebracht, es kann ja nicht angehen, dass die Nachbarin so einen fetten Kranz an der Haustür hat und auch noch den GEMEINSAMEN Eingang schmückt (ohne zu fragen, versteht sich),und wir haben gar nichts. Also kaufte sie ein, und das ganze lag dann ungefähr eine Woche bei uns im Wohnzimmer herum, bis schliesslich die Cousine von der Nachbarin kam, um uns zu helfen, das war ein Samstagabend. Der komplette weibliche Teil der Familie stand dann in der Küche und hat Schaschlickspiesse mit grünem Papier umwickelt und später Kugeln drangeklebt, und solche Spässe, und als wir die fertige Girlande letztendlich aufhángen wollten (es war neun Uhr abends) beschwerte sich nach drei Hammerschlägen von oben der Nachbar. Naja, dann kamen noch einige andere Probleme, aber schliesslich sieht es so aus:
Auch in den Strassen wurde irgendwann geschmückt, so Ende November, und alles steht voll mit Plastikweihnachtsbäumen, Plastikengeln, Plastikgeschenken und das alles auch noch beleuchtet, am Besten noch in blau. Darauf fahre ich ja absolut ab. Blauer Weihnachtsschmuck. Nicht. Es gibt auch einen Laden an der Hauptstrasse, der nur Weihnachtsartikel verkauft. Abgesehen davon werden überall Guaitas, die typische venezolanische Weihnachtsmusik gespielt:
Adventsstimmung wollte nicht unbedingt aufkommen, zumindest nicht im bekannten Sinne.
Was auch sehr typisch weihnachtlich-venezolanisch ist, sind Hallacas.
Für alle, die es zu Hause nachkochen möchten: Man gehe in den Supermarkt und kaufe ein Blatt von einer Bananenpalme, das vorher irgendwie geräuchert wurde, damit es schön geschmeidig wird. Dann schrubbe man das ganze schön ab, damit es auch sauber ist, und schneide es zu. Man mache eine Mischung aus Maismehl und Hühnerbrühe und streiche das auf ein grosses Stück Palmenblatt. Darauf werfe man eine Mischung aus Fleisch und Gemüse (Paprika, Kichererbsen, was auch immer, je nach Rezept und Region), ein paar Rosinen, ein paar Oliven, je nach Rezept Hähnchen, Zwiebel, Paprika. Danach klappe man das Blatt zusammen, rolle es in ein zweites und ein drittes ein (alles auf eine ganz bestimmte Art und Weise) und knote es zusammen. Dann koche man das ganze eine Stunde in Salzwasser, hole es raus und lege es in den Kühlschrank. Und immer, wenn man keine Lust hat, etwas anderes zu kochen, hole man sie wieder raus, werfe sie nochmal ein paar Minuten in kochendes Wasser und fertig ist das Weihnachtsmittagessen (was jetzt noch fehlt ist ein Bild von einer geöffneten Hallacas, das hab ich bis jetzt noch nicht gemacht, wird nachgeliefert.)
Mittwoch kam Annika aus Cumana, und nachmittags haben wir, die AFS-Austauschschüler insgesamt 60 Hallacas gemacht. Ein vorher-nacher-Bild hätte sich gelohnt, es ist unglaublich viel Arbeit, und nach vier Stunden eifrigem Streichen und Knoten waren wir alle ziemlich erledigt.
Annika blieb bei mir, und Freitag kam dann auch noch Daniela mit ihrem Freund Jesus aus Cumana, es war nämlich weihnachtliches Abendessen mit AFS. Annika und ich hatten uns am Mittwoch mit der anderen Deutschen, Naeemah, verabredet, dass wir zusammen kochen, weil jeder Austasuschschüler ein typisches Essen aus seinem Land mitbringen sollte. Eigentlich wollten wir uns freitagmorgens treffen. Letztendlich waren wir dann um drei Uhr nachmittags bei ihr und hatten noch nicht eingekauft, das Essen sollte um sechs anfangen. Also sind wir zuerst einmal einkaufen gefahren, und erst gegen vier haben wir angefangen zu kochen: Kartoffelpuffer, Heidesandplätzchen und Hefebrezeln. Nach einigem Chaos (der Freund von Naeemahs Gastschwester:'also, da muss noch ein Ei dazu.' ich:'nee, das steht so im Rezept' 'ja, aber schau doch mal, das ist voll bröckelig' ich: 'CALLATE CARLOS!') und Angst um explodierende Hefeteige, hat am Ende doch alles geklappt (auch wenn die Plätzchen etwas hart waren, die Brezeln eben Hefebrezeln und keine Laugenbrezeln und die Kartoffelpuffer... ne, die waren eigentlich gut.) und um halb sieben waren wir fertig. Ich dachte, jetzt schnell umziehen und richten, damit wir nicht so sehr zu spät kommen, aber falsch gedacht. Nachdem wir uns wirklich schnell gerichtet hatten, mussten wir noch auf Naeemahs Vater warten, der mit uns da hingehen solte. Und der kam nicht. Und kam nicht. Letztendlich waren wir um acht da, nachdem ich von drei unterschiedlichen Leuten angerufen wurde, wo wir denn blieben.
Das ganze war letztendlich ganz nett und ganz lecker.
Annika und Dani blieben dann noch bis Samstagabend da und danach bin ich spontan mit nach Cumana, wo ich Sonntag mit Annika und ihrer Gastschwester Irina zum Strandhaus bin und danach endlich auch noch Harry Potter im Kino gesehen habe und am Montag haben wir mit Annikas Mutter noch so ein... ein Ding gemacht, etwas zum Thema Werte, schwer zu erklären. Dann kamen Dani und Jesus und wir sind zurück nach Lecheria gefahren, weil meine Schwester, die kleine Dani, Geburtstag hatte. Aus unterschiedlichen Gründen kamen wir erst ziemlich spät, als schon alle ihre Freundinnen, die sie zu einer Poolparty eingeladen hatte, wieder gegangen waren und wir nur die schon angeschnittene pinke Torte bewundern konnten. Schmeckt aber gar nicht schlecht, wenn man das pinke wegmacht, das schmeckt seltsam.
Und am Donnerstag gehts mit Sack und Pack (samt Oma und Fernseher) nach Margarita, bis zum 3. Januar. Mal sehen, wie das wird.