Fünf Freunde und das Geheimnis um Shah Jahan- Agra
Wir an der Wand unseres Hostels |
Unser nächstes Abenteuer war von uns schon mit einiger
Spannung erwartet worden: das Taj Mahal! Ich persönlich war mir nicht sicher,
ob ich das wirklich so cool finden würde, wie es sich anhört. Als wir in
unserem Hostel ankamen, gab es aber erst mal noch ein anderes Highlight:
Anna-Lena hatte Geburtstag! Die Leute vom Hostel organisierten uns
freundlicherweise einen typisch indischen Kuchen (der innen noch gefroren war)
und sie bekam verschiedene Ständchen gesungen. Den Nachmittag verbrachten wir
dann nicht am Taj, sondern im Fort von Agra, das war so mittel. Am nächsten
Morgen ging es dann endlich zu Indiens berühmtesten Wahrzeichen und dem
meistfotografierten Bauwerk der Erde. Wir marschierten um kurz nach sechs los,
um den Sonnenaufgang zu erleben (dabei geht die Sonne eigentlich gar nicht
hinter dem Taj auf. Es geht nur um das Licht… und um die Anzahl der Touristen,
wobei auch schon um halb sieben einiges los war) Nun, das Taj Maha ist schon
schön, wie es sich so vor einem erhebt. Wir machten zuerst die obligatorischen
Fotos (und beobachteten Reisegruppen, die es ein bisschen übertrieben mit den
obligatorischen Fotos) und schauten uns dann um. Das Innere des Tajs ist
übrigens auch schön, aber bei weitem nicht so schön wie von außen. Da wir
dreiste 750 Rupien Eintritt bezahlt hatten (das sind 12 Euro, darüber würde ich
mich in Deutschland auch schon ärgern. Inder zahlen übrigens nur einen
Bruchteil.), beschlossen wir, das jetzt auch auszunutzen und legten uns auf den
hinteren Platz für ein Nickerchen auf dem kühlen Marmor. Ja, es war schon
beeindruckend und ja, ich habe auch ungefähr 148694 Fotos geschossen.
Agra hat übrigens den Ruf, für Touristen eine furchtbar
unangenehme Stadt zu sein. Wir haben das aber nicht so empfunden: Fiona wurde
sogar zweimal die Kamera, die sie hatte liegen lassen, hinterher getragen.
Trotzdem reicht es, dort eine Nacht zu verbringen und dann weiterzureisen.
Omg-the Taj Mahal! |
Fünf Freunde entdecken Mother Ganga- Varanasi
Nach einer akzeptablen Zugfahrt kamen wir in Varanasi an und
es erwies sich schon als erstes Abenteuer, das Hotel zu finden, das wir uns
ausgesucht hatten. Die Rikschas vom Bahnhof ließen uns einfach irgendwo raus,
die Gässchen am Ganges entlang sind nämlich zu eng für jegliche Verkehrsmittel.
Wir hatten keine Ahnung, wo wir waren und wo wir jetzt hinmussten und dazu war
es noch heiß und voll und laut. Ein Mann sah uns da so verloren stehen und
wollte uns dann unbedingt zu unserem Hotel begleiten (was wir ursprünglich
nicht wollten). Am Ende waren wir dann doch froh (und kein bisschen überrascht,
als sein Service dann doch nicht so free war wie die ganze Zeit betont). An
alle (ehemaligen) Lenderschüler: bestimmt kennt ihr die Geschichte über Hugo,
das Schulskelett, die Frau Oswald immer erzählt: dass er aus Indien kommt. Die
Gläubigen Hindus (die es sich irgend leisten können) verbrennen ihre Toten in
Varanasi und schmeißen die Reste dann in den Ganges. Dazu wird noch allerlei
ekliges Zeug in den Ganges geleitet und er (bzw sie) wird als Müllhalde
missbraucht-kein Grund, kein Bad im heiligen Fluss zu nehmen!
Wir haben es doch getan: Annika und ich im Ganges! (nur mit den Füßen) |
Aber von vorne: Der Ganges ist für die Hindus eine Gottheit,
Mother Ganga eben. Varanasi ist die heilige Stadt der Hindus und der Ganga hier
ist gesäumt mit sogenannten Ghats, Stufen, die zum Wasser führen. Hier kommen
Pilger, um sich von ihren Sünden reinzuwaschen und ganze Familien bringen ihre
Toten her, um sie hier zu verbrennen und damit aus dem Kreislauf der
Wiedergeburt zu befreien. Dafür gibt es spezielle Verbrennungsghats, in denen
24 Stunden lang die Scheiterhaufen brennen. Das Holz kann man auf dem Markt
oberhalb kaufen und das ist ganz und gar nicht günstig, ein Kilo kostet
mindestens 300 Rupien und man braucht mindestens 60 Kilo für ein ordentliches Feuer
(wenn ich mich recht erinnere)-das macht je nach Wechselkurs ungefähr 250-300
Euro für die günstigste Verbrennung- für die meisten Inder ist das ein
Vermögen! Natürlich gibt es dann immer noch besseres Holz und einen größeren
Haufen, der dann länger brennt, die Kosten können sich also locker auch auf ein
Vielfaches belaufen. Es gibt verschiedene Rituale, die dann ausgeführt werden,
unter anderem scheren sich die Männer die Haare und die Hüftknochen werden in
den Ganges geschmissen (der Rest sollte eigentlich verbrannt sein). Weibliche
Angehörige sind übrigens nicht verwünscht: Man darf nicht weinen oder jammern,
weil sich sonst der Geist nicht richtig von der Welt lösen kann und Frauen sind
zu emotional. Nicht verbrannt werden übrigens: Kinder, weil sie noch rein sind
und keine Sünden haben, Schwangere (wegen dem Baby im Bauch), Selbstmörder,
Mordopfer, Opfer von Schlangenbissen und noch ein paar andere. Unser lieber
Hugo war also wahrscheinlich so einer. Da er im Ganges gelandet ist, können wir
für ihn hoffen, dass jetzt nur sein Skelett bei uns zu Anschauungszwecken dient
und Mutter Ganga seine Seele aus dem Kreislauf der Wiedergeburt befreit hat…
oder so.
Buntes Treiben an den Ghats |
Insgesamt habe ich Varanasi geliebt. Die kleinen Gässchen
(auch wenn wir uns ständig verlaufen haben), die besondere Atmosphäre und ich
hatte immer das Gefühl, es riecht irgendwie gut. Besonders schön war auch die
Bootsfahrt zum Sonnenaufgang auf dem Ganges. Morgens ist an den Ghats am
meisten los und wir konnten beobachten, wie Reihen von Frauen in bunten Saris
gleichzeitig untertauchten, Wäscher die Wäsche auf Steine schlugen, kleine
Kinder ins Wasser getaucht wurden und ganz wagemutige zwischen den vielen
Booten Schwimmunterricht bekamen. Leider wurde unsere Gruppe auch hier wieder
von gesundheitlichen Problemen verschiedener Art geplagt, trotzdem wollten wir
nach einer Nacht den Zug nehmen. Das war aber mal ein echtes Abenteuer!
Fünf Freunde und der Kampf mit der indischen Bahn (Sonderfolge)
Los ging unser Abenteuer schon auf dem Weg zum Bahnhof: unser
Zug fuhr leider nicht direkt in Varanasi ab, sondern ungefähr zwanzig Kilometer
außerhalb. Der Hotelbesitzer meinte, die günstigste Art, dorthin zu kommen,
wäre mit der Fahrradrikscha zum Bahnhof und von dort aus weiter mit dem
Sammeljeep. Gesagt, getan. Natürlich wollten wir nur so wenig Geld ausgeben wie
möglich und wollten deshalb zu fünft zwei Fahrradrikschas nehmen. Daniel und
ich hatten Glück: auf der Fahrradrikscha ist man zwar mittendrin im Geschehen,
andererseits so erhöht, dass man sich ein bisschen wie in einer Blase fühlt und
fast Lust bekommt, dem Fußvolk huldvoll zuzuwinken. Die anderen drei hatten es
weniger gut erwischt und quetschten sich zu dritt mit drei Rucksäcken auf die
Rikscha, das sah dann so aus (und war wohl weniger bequem):
Die Fahrt im Sammeljeep war dann auch noch so ein
Nervenkitzel, weil der Fahrer unsere Rucksäcke einfach aufs Dach geschmissen
hatte, ohne sie irgendwie zu befestigen und ich bei jedem Schlagloch Angst ums
Gepäck hatte. Wir kamen dann gegen sieben am Bahnhof an und unser Zug sollte um
neun fahren. Noch zwei Stunden warten, so ein Mist- hihi. Zuerst schlugen wir
unser Lager mitten in der Bahnhofshalle auf, zogen dann aber in den Food Court
um, weil da weniger Trubel war und es Fiona nicht gut ging. Es folgten dann
viele Stunden des Wartens, auf und ab Laufens und mit den Schalterangestellten
Diskutierens. Unser Zug hatte zuerst zwei Stunden Verspätung, dann sollte er um
halb eins kommen, dann um zwei, dann um halb drei, gekommen ist er letztendlich
um vier und bis kurz vor Ankunft stand noch kein Gleis fest. Das macht Freude!
Dann war er auch noch so voll, dass wir wieder erst komplette Familien von
unseren Plätzen vertreiben mussten und eine Familie tat einfach so, als würde
sie uns nicht verstehen und bewegte sich auch nach fünf Minuten kein Stückchen,
bis endlich mal jemand eingriff und ihnen auf Hindi zu verstehen gab, dass wir
tatsächlich diese Plätze reserviert hätten. So fuhren wir mit sieben Stunden
Verspätung los, aber wenn man schon mal Verspätung hat, dann wird das immer
mehr und so kamen wir letztendlich mit zwölf Stunden Verspätung um zwölf Uhr
nachts an. Leider nicht in unserem letzten Ziel Darjeeling, sondern in einem
Ort unten, von dem aus man noch drei Stunden mit dem Jeep hochfahren muss, die fahren
aber natürlich nicht mehr nachts um zwölf. Ich hatte das schon vermutet und in
einem Hotel angerufen, ob wir auch noch um zwölf kommen könnten- no problem
maam. Von wegen: am Ende standen wir noch zehn Minuten hupend, rufend und
anrufend vor dem Hotel, bis uns endlich jemand aufmachte.
Fünf Freunde und die geheime Tee-Plantage
Um elf Uhr morgens kamen wir endlich in Darjeeling an, einen
knappen Tag später als erwartet und gelinde gesagt etwas entnervt. Darjeeling
liegt im Himalaya und es war wieder recht kühl. Nach einer lauwarmen bis
eiskalten Dusche machten wir uns auf den Weg und besichtigten eine Teeplantage.
Eigentlich kann man den ganzen Produktionsprozess sehen, aber es war Sonntag,
weshalb die Arbeit für heute schon beendet war. Trotzdem sahen wir die
Maschinen und ein Mitarbeiter erklärte uns den Prozess, was wirklich
interessant war. Das Highlight war danach der Spaziergang durch die Teefelder
mit wunderschönem Ausblick und Jungs, die auf den schmalen Wegen Kricket
gespielt haben.
Danach machten wir noch einen Spaziergang zu einem
buddhistischen Kloster, wo ein süßer Opi uns einiges erklärte und wir dann noch
einem Mönch beim Gebet zuschauen konnten. Abends gingen wir nochmal lecker
tibetanisch essen (ja, es ist ein bisschen ähnlich wie in Dharamsala). Am
nächsten Morgen mussten die Fünf Freunde sich trennen, für George und Timmi
rief wieder der Ernst des Lebens in Form einer Klausur zwei Tage später. Die
übrigen drei litten wie immer, wenn die Fünf Freunde sich trennen, ein bisschen
unter Phantomschmerzen, verbrachten aber trotzdem noch einen schönen Tag mit
leckerem Tee, Waffeln und einem Besuch im Selbsthilfe-Center für tibetanische
Flüchtlinge, wo verschiedene alte Handwerkskünste ausgeübt werden und die
Produkte dann verkauft. Man kann sich alles anschauen und alle sind offen und
nett, weshalb der Besuch ein voller Erfolg war.
Und plötzlich war sie vorbei: Die Nordenreise, auf die wir
so lange hingefiebert hatten. Die vier Wochen waren voller Abenteuer,
Erfahrungen und Begegnungen. Auch wenn der Gesundheitszustand des Großteils der
Fünf Freunde teils zu wünschen übriggelassen hat (mir ging es eigentlich immer
gut) und uns das Reisekarma leider nach einer Weile auch ein bisschen verlassen
hat, hatten wir doch viel Glück und ja, bis auf zwölf Stunden Verspätung und
Lebensmittelvergiftungen nie ernstere Probleme. Das wichtigste ist: die Fünf
Freunde waren zusammen und haben alle Abenteuer bestanden! Bessere Freunde für
diese Reise hätte ich mir nicht vorstellen können!
Tee im Teeparadies |