Mittwoch, 20. Mai 2015

Fünf Freunde und das indischste Indien überhaupt


 Fünf Freunde und das Geheimnis um Shah Jahan- Agra

Wir an der Wand unseres Hostels


Unser nächstes Abenteuer war von uns schon mit einiger Spannung erwartet worden: das Taj Mahal! Ich persönlich war mir nicht sicher, ob ich das wirklich so cool finden würde, wie es sich anhört. Als wir in unserem Hostel ankamen, gab es aber erst mal noch ein anderes Highlight: Anna-Lena hatte Geburtstag! Die Leute vom Hostel organisierten uns freundlicherweise einen typisch indischen Kuchen (der innen noch gefroren war) und sie bekam verschiedene Ständchen gesungen. Den Nachmittag verbrachten wir dann nicht am Taj, sondern im Fort von Agra, das war so mittel. Am nächsten Morgen ging es dann endlich zu Indiens berühmtesten Wahrzeichen und dem meistfotografierten Bauwerk der Erde. Wir marschierten um kurz nach sechs los, um den Sonnenaufgang zu erleben (dabei geht die Sonne eigentlich gar nicht hinter dem Taj auf. Es geht nur um das Licht… und um die Anzahl der Touristen, wobei auch schon um halb sieben einiges los war) Nun, das Taj Maha ist schon schön, wie es sich so vor einem erhebt. Wir machten zuerst die obligatorischen Fotos (und beobachteten Reisegruppen, die es ein bisschen übertrieben mit den obligatorischen Fotos) und schauten uns dann um. Das Innere des Tajs ist übrigens auch schön, aber bei weitem nicht so schön wie von außen. Da wir dreiste 750 Rupien Eintritt bezahlt hatten (das sind 12 Euro, darüber würde ich mich in Deutschland auch schon ärgern. Inder zahlen übrigens nur einen Bruchteil.), beschlossen wir, das jetzt auch auszunutzen und legten uns auf den hinteren Platz für ein Nickerchen auf dem kühlen Marmor. Ja, es war schon beeindruckend und ja, ich habe auch ungefähr 148694 Fotos geschossen.
Agra hat übrigens den Ruf, für Touristen eine furchtbar unangenehme Stadt zu sein. Wir haben das aber nicht so empfunden: Fiona wurde sogar zweimal die Kamera, die sie hatte liegen lassen, hinterher getragen. Trotzdem reicht es, dort eine Nacht zu verbringen und dann weiterzureisen. 





Omg-the Taj Mahal!


Fünf Freunde entdecken Mother Ganga- Varanasi

Nach einer akzeptablen Zugfahrt kamen wir in Varanasi an und es erwies sich schon als erstes Abenteuer, das Hotel zu finden, das wir uns ausgesucht hatten. Die Rikschas vom Bahnhof ließen uns einfach irgendwo raus, die Gässchen am Ganges entlang sind nämlich zu eng für jegliche Verkehrsmittel. Wir hatten keine Ahnung, wo wir waren und wo wir jetzt hinmussten und dazu war es noch heiß und voll und laut. Ein Mann sah uns da so verloren stehen und wollte uns dann unbedingt zu unserem Hotel begleiten (was wir ursprünglich nicht wollten). Am Ende waren wir dann doch froh (und kein bisschen überrascht, als sein Service dann doch nicht so free war wie die ganze Zeit betont). An alle (ehemaligen) Lenderschüler: bestimmt kennt ihr die Geschichte über Hugo, das Schulskelett, die Frau Oswald immer erzählt: dass er aus Indien kommt. Die Gläubigen Hindus (die es sich irgend leisten können) verbrennen ihre Toten in Varanasi und schmeißen die Reste dann in den Ganges. Dazu wird noch allerlei ekliges Zeug in den Ganges geleitet und er (bzw sie) wird als Müllhalde missbraucht-kein Grund, kein Bad im heiligen Fluss zu nehmen! 

Wir haben es doch getan: Annika und ich im Ganges! (nur mit den Füßen)
 Aber von vorne: Der Ganges ist für die Hindus eine Gottheit, Mother Ganga eben. Varanasi ist die heilige Stadt der Hindus und der Ganga hier ist gesäumt mit sogenannten Ghats, Stufen, die zum Wasser führen. Hier kommen Pilger, um sich von ihren Sünden reinzuwaschen und ganze Familien bringen ihre Toten her, um sie hier zu verbrennen und damit aus dem Kreislauf der Wiedergeburt zu befreien. Dafür gibt es spezielle Verbrennungsghats, in denen 24 Stunden lang die Scheiterhaufen brennen. Das Holz kann man auf dem Markt oberhalb kaufen und das ist ganz und gar nicht günstig, ein Kilo kostet mindestens 300 Rupien und man braucht mindestens 60 Kilo für ein ordentliches Feuer (wenn ich mich recht erinnere)-das macht je nach Wechselkurs ungefähr 250-300 Euro für die günstigste Verbrennung- für die meisten Inder ist das ein Vermögen! Natürlich gibt es dann immer noch besseres Holz und einen größeren Haufen, der dann länger brennt, die Kosten können sich also locker auch auf ein Vielfaches belaufen. Es gibt verschiedene Rituale, die dann ausgeführt werden, unter anderem scheren sich die Männer die Haare und die Hüftknochen werden in den Ganges geschmissen (der Rest sollte eigentlich verbrannt sein). Weibliche Angehörige sind übrigens nicht verwünscht: Man darf nicht weinen oder jammern, weil sich sonst der Geist nicht richtig von der Welt lösen kann und Frauen sind zu emotional. Nicht verbrannt werden übrigens: Kinder, weil sie noch rein sind und keine Sünden haben, Schwangere (wegen dem Baby im Bauch), Selbstmörder, Mordopfer, Opfer von Schlangenbissen und noch ein paar andere. Unser lieber Hugo war also wahrscheinlich so einer. Da er im Ganges gelandet ist, können wir für ihn hoffen, dass jetzt nur sein Skelett bei uns zu Anschauungszwecken dient und Mutter Ganga seine Seele aus dem Kreislauf der Wiedergeburt befreit hat… oder so. 

Buntes Treiben an den Ghats
 Insgesamt habe ich Varanasi geliebt. Die kleinen Gässchen (auch wenn wir uns ständig verlaufen haben), die besondere Atmosphäre und ich hatte immer das Gefühl, es riecht irgendwie gut. Besonders schön war auch die Bootsfahrt zum Sonnenaufgang auf dem Ganges. Morgens ist an den Ghats am meisten los und wir konnten beobachten, wie Reihen von Frauen in bunten Saris gleichzeitig untertauchten, Wäscher die Wäsche auf Steine schlugen, kleine Kinder ins Wasser getaucht wurden und ganz wagemutige zwischen den vielen Booten Schwimmunterricht bekamen. Leider wurde unsere Gruppe auch hier wieder von gesundheitlichen Problemen verschiedener Art geplagt, trotzdem wollten wir nach einer Nacht den Zug nehmen. Das war aber mal ein echtes Abenteuer!







Fünf Freunde und der Kampf mit der indischen Bahn (Sonderfolge)

Los ging unser Abenteuer schon auf dem Weg zum Bahnhof: unser Zug fuhr leider nicht direkt in Varanasi ab, sondern ungefähr zwanzig Kilometer außerhalb. Der Hotelbesitzer meinte, die günstigste Art, dorthin zu kommen, wäre mit der Fahrradrikscha zum Bahnhof und von dort aus weiter mit dem Sammeljeep. Gesagt, getan. Natürlich wollten wir nur so wenig Geld ausgeben wie möglich und wollten deshalb zu fünft zwei Fahrradrikschas nehmen. Daniel und ich hatten Glück: auf der Fahrradrikscha ist man zwar mittendrin im Geschehen, andererseits so erhöht, dass man sich ein bisschen wie in einer Blase fühlt und fast Lust bekommt, dem Fußvolk huldvoll zuzuwinken. Die anderen drei hatten es weniger gut erwischt und quetschten sich zu dritt mit drei Rucksäcken auf die Rikscha, das sah dann so aus (und war wohl weniger bequem): 
 
Die Fahrt im Sammeljeep war dann auch noch so ein Nervenkitzel, weil der Fahrer unsere Rucksäcke einfach aufs Dach geschmissen hatte, ohne sie irgendwie zu befestigen und ich bei jedem Schlagloch Angst ums Gepäck hatte. Wir kamen dann gegen sieben am Bahnhof an und unser Zug sollte um neun fahren. Noch zwei Stunden warten, so ein Mist- hihi. Zuerst schlugen wir unser Lager mitten in der Bahnhofshalle auf, zogen dann aber in den Food Court um, weil da weniger Trubel war und es Fiona nicht gut ging. Es folgten dann viele Stunden des Wartens, auf und ab Laufens und mit den Schalterangestellten Diskutierens. Unser Zug hatte zuerst zwei Stunden Verspätung, dann sollte er um halb eins kommen, dann um zwei, dann um halb drei, gekommen ist er letztendlich um vier und bis kurz vor Ankunft stand noch kein Gleis fest. Das macht Freude! Dann war er auch noch so voll, dass wir wieder erst komplette Familien von unseren Plätzen vertreiben mussten und eine Familie tat einfach so, als würde sie uns nicht verstehen und bewegte sich auch nach fünf Minuten kein Stückchen, bis endlich mal jemand eingriff und ihnen auf Hindi zu verstehen gab, dass wir tatsächlich diese Plätze reserviert hätten. So fuhren wir mit sieben Stunden Verspätung los, aber wenn man schon mal Verspätung hat, dann wird das immer mehr und so kamen wir letztendlich mit zwölf Stunden Verspätung um zwölf Uhr nachts an. Leider nicht in unserem letzten Ziel Darjeeling, sondern in einem Ort unten, von dem aus man noch drei Stunden mit dem Jeep hochfahren muss, die fahren aber natürlich nicht mehr nachts um zwölf. Ich hatte das schon vermutet und in einem Hotel angerufen, ob wir auch noch um zwölf kommen könnten- no problem maam. Von wegen: am Ende standen wir noch zehn Minuten hupend, rufend und anrufend vor dem Hotel, bis uns endlich jemand aufmachte. 


Fünf Freunde und die geheime Tee-Plantage                                                                                

Um elf Uhr morgens kamen wir endlich in Darjeeling an, einen knappen Tag später als erwartet und gelinde gesagt etwas entnervt. Darjeeling liegt im Himalaya und es war wieder recht kühl. Nach einer lauwarmen bis eiskalten Dusche machten wir uns auf den Weg und besichtigten eine Teeplantage. Eigentlich kann man den ganzen Produktionsprozess sehen, aber es war Sonntag, weshalb die Arbeit für heute schon beendet war. Trotzdem sahen wir die Maschinen und ein Mitarbeiter erklärte uns den Prozess, was wirklich interessant war. Das Highlight war danach der Spaziergang durch die Teefelder mit wunderschönem Ausblick und Jungs, die auf den schmalen Wegen Kricket gespielt haben.



 Danach machten wir noch einen Spaziergang zu einem buddhistischen Kloster, wo ein süßer Opi uns einiges erklärte und wir dann noch einem Mönch beim Gebet zuschauen konnten. Abends gingen wir nochmal lecker tibetanisch essen (ja, es ist ein bisschen ähnlich wie in Dharamsala). Am nächsten Morgen mussten die Fünf Freunde sich trennen, für George und Timmi rief wieder der Ernst des Lebens in Form einer Klausur zwei Tage später. Die übrigen drei litten wie immer, wenn die Fünf Freunde sich trennen, ein bisschen unter Phantomschmerzen, verbrachten aber trotzdem noch einen schönen Tag mit leckerem Tee, Waffeln und einem Besuch im Selbsthilfe-Center für tibetanische Flüchtlinge, wo verschiedene alte Handwerkskünste ausgeübt werden und die Produkte dann verkauft. Man kann sich alles anschauen und alle sind offen und nett, weshalb der Besuch ein voller Erfolg war. 

 
So kann man sagen: trotz der beschwerlichen Anreise, war Darjeeling ein schöner Abschluss unserer Reise. Nicht so cool war dann Annikas und meine Heimreise: unser eigentlicher Flug wurde gecancelt, weshalb wir plötzlich zwei Stunden früher flogen (zum Glück waren wir zeitig losgefahren!) und dann sechs Stunden in Delhi saßen, erst um zwölf in Chennai ankamen und eine Nacht in einem Hotel verbringen mussten, für das wir so viel bezahlten, wie sonst so im Schnitt für vier Nächte. So kamen wir am 29. April im Projekt an und ich muss sagen: es ist auch schön, wieder daheim zu sein.
Und plötzlich war sie vorbei: Die Nordenreise, auf die wir so lange hingefiebert hatten. Die vier Wochen waren voller Abenteuer, Erfahrungen und Begegnungen. Auch wenn der Gesundheitszustand des Großteils der Fünf Freunde teils zu wünschen übriggelassen hat (mir ging es eigentlich immer gut) und uns das Reisekarma leider nach einer Weile auch ein bisschen verlassen hat, hatten wir doch viel Glück und ja, bis auf zwölf Stunden Verspätung und Lebensmittelvergiftungen nie ernstere Probleme. Das wichtigste ist: die Fünf Freunde waren zusammen und haben alle Abenteuer bestanden! Bessere Freunde für diese Reise hätte ich mir nicht vorstellen können!



Tee im Teeparadies

Donnerstag, 14. Mai 2015

Meanwhile in Vayalur... (oder: der süßeste Blogeintrag ever!)

Wir sind jetzt ja schon gut drei Wochen wieder daheim und ich wollte mal kurz zwischen die Reiseberichte schieben, was hier so los ist-schließlich verbringen wir den Hauptteil unserer Zeit ja im Projekt.
Nun, als wir am 22. April abends im Projekt ankamen, wurden wir von allen unseren Kindern begrüßt. Unsere Angst, dass plötzlich ein Teil der Kinder fehlen könnte (hinsichtlich der aktuellen Situation im Projekt nicht ganz unbegründet), erfüllte sich nicht. Alle strahlten sich an und freuten sich und ich freute mich auch total, wieder da zu sein-auch wenn nicht immer alles leicht ist, ist hier doch mein indisches Zuhause. Wir wurden natürlich befragt, wo wir waren ('You going Germany sister?') und wir erzählten ein bisschen, allerdings wollten sie uns kaum glauben, dass wir wirklich nur in Indien unterwegs waren. Wir hatten es gut abgepasst: heute war der letzte Schultag der allermeisten Kinder gewesen. Ab jetzt sind Sommerferien, die bis Ende Mai dauern. Über unsere Feriengestaltung hatte es schon einige Diskussionen mit dem Gastvater und mit Rubini gegeben. Für die Leute, die in einer Schule arbeiten, gibt es ein Sommercamp, das heißt, sie gehen für vier Wochen in ein anderes Projekt, damit sie was zu tun haben. Wir hatten vermutet, dass wir auch sowas machen würden, da unsere Contact Person uns erzählt hatte, dass alle Kinder nach Hause gehen. Dann hieß es, dass alle Kinder bleiben und jeden Tag ein paar Stunden Unterricht in Nähen, Kochen und noch ein paar Sachen kriegen sollten. Dann hieß es, der Unterricht sei abgeblasen, aber es bleiben mindestens zwanzig bis dreißig Kinder hier. Von anderen Seiten hörten wir, dass wirklich alle heimgehen würden und auch die Mitarbeiter Ferien hätten. Hä? Dem Gastvater ist es ganz unglaublich wichtig, dass wir die Zeit hier verbringen. Anfangs wunderten wir uns darüber, aber schließlich ging uns auf: das Projekt kriegt Geld dafür, dass wir bei ihnen sind. Sind wir in einem anderen Projekt, kriegt das das Geld. Wir sind also eine zusätzliche Einnahmequelle und angesichts der aktuell prekären Geldsituation können sie darauf nicht verzichten.
In Realität lief die Zeit bisher so ab: Die erste Woche waren die Kinder noch alle da und wir hatten wirklich sehr schöne Tage. Wir durften offiziell mit ihnen spielen und hatten viel Spaß, manchmal gab es auch nicht so viel zu tun (wenn alle Kinder auf einen dieser Mini-Fernseher starren zum Beispiel), aber das war dann auch ok. Es gab mehrere Tage lang für jedes Kind eine Wassermelone, die dann zuerst genüsslich mit den Händen ausgekratzt und wurde und dann der übrige Saft geschlabbert. 





 

Außerdem verbrachte ich einige Stunden damit, die Kinder zu fotografieren, die es lieben, sich an eine Wand zu stellen und ernst zu schauen, damit ich ein 'still' von ihnen schieße. Davon hier mal die schönsten :) Unsere Kinder sind wohl die süßesten Kinder überhaupt!







Annika in Action




Die Jungs beim Dösen




Am Wochenende trafen wir uns mit ein paar Freunden in Mahabs und schlossen schon Wetten ab, wie viele Kinder jetzt noch da sind. Am ersten Tag waren es ungefähr 15, jetzt sind es noch sieben. Das ist allerdings weniger schlimm, als es sich anhört. Diesen sieben Kindern ist nämlich konstant langweilig, sodass sie ständig nach uns verlangen und wir mit ihnen UNO spielen (ja, die letzten Tage haben wir hauptsächlich UNO mit den Jungs gespielt. Denen wird das auch nie zu viel…) oder Papierbötchen bemalen oder sowas. Sogar das Essen ist meistens top, weil wir jetzt mit 15 Leuten genauso viel Gemüse essen wie mit 60… Außerdem ist die Stimmung echt entspannt (vor allem, wenn der Gastvater in seinem Zimmer ist oder ausgeflogen).