Hier
nun endlich mal ein ausführlicher Beitrag über alles Mögliche. Nicht, dass ich
nicht genug Zeit gehabt hätte, ihn zu schreiben- Zeit hab ich hier zu Genüge.
Allerdings sind wir erst am Donnerstag in die uns zugedachte Wohnung gezogen.
Aber von vorne.
Letzten
Mittwoch, also am 13. August, kamen Annika und ich endlich in unserem Projekt
an. Zu unserer positiven Überraschung wurden wir sogar im Auto abgeholt-Bus
fahren mit unserem schweren und umfangreichen Gepäck ist, wie wir ja schon
erfahren durften, eine ziemliche Strapaze.
Unser
Projekt ist ein Kinderhaus im kleinen Dorf Vayalur. Im Haus wohnen ungefähr 50
Kinder zwischen zehn und 17. Nur zehn Kinder sind Waisen, die anderen haben
eine Familie, die allerdings sehr arm ist. Das Haus wurde aufgebaut von unserem
Chef und Gastvater, der ein christlicher Priester ist (eine der
Mitarbeiterinnen meinte mal, dass sie katholisch wären, aber der Gastvater hat
drei Kinder…wahrscheinlich hab ich da mal wieder was falsch verstanden). Die
Kinder werden auch sehr christlich erzogen, beten mehrmals am Tag und er kommt
auch manchmal vorbei und spricht ein Gebet (aus welchen Anlässen genau hab ich
noch nicht ganz durchschaut). Zudem durften wir am Sonntag schon dem
dreistündigen Gottesdienst beiwohnen, natürlich auf Tamil. Im Projekt spricht
nur unsere eine Gastschwester mehr oder weniger fließend Englisch, manche
Mitarbeiter können noch ein bisschen was (Gespräche über Essen sind meistens
möglich), andere können wirklich nichts bis auf hello und thanks. Ich bin mir
immer noch nicht ganz sicher, wie gut der Gastvater wirklich Englisch spricht:
Er redet zwar immer eifrig, gestenreich und lange, aber ich verstehe wenn es
gut läuft die Hälfte von dem, was er sagt und hege die starke Vermutung, dass
er einfach die Wörter, die er nicht weiß, auf Tamil benutzt. Die Verständigung
ist also wirklich eins der größeren Probleme, mit denen wir konfrontiert sind.
Ein
anderes Problem ist, dass wir wirklich nicht so viel zu tun haben. Der
Tagesablauf der Kinder ist streng durchgeplant: Sie stehen um fünf auf, machen
Morgengymnastik, dann geht’s ans waschen, putzen und andere Hausarbeiten. Um
8.30 brechen die ersten auf in die Schule. Morgens sollen wir eigentlich den
Kindern beim Fertigmachen helfen (Haare kämmen und so weiter), aber eigentlich
können das alle selbst. So sitzen wir also den meisten morgen rum, trinken
zuckersüßen Kaffee und hoffen, dass eins der Kinder seine Englischsachen
auspackt und wir helfen können.
Zwischen
halb fünf und fünf kommen die Kinder von der Schule zurück. Dann beginnt wieder
das allgemeine Gewusel und nachdem sie sich umgezogen und gewaschen haben,
fangen sie an zu lernen. Hier können wir uns zumindest manchmal einbringen und
bei Aussprache-Fragen weiterhelfen oder mit den Kindern lesen üben. Darüber
hinaus können wir auch hier nicht so viel helfen: Erklärungen auf Englisch
verstehen die wenigsten und unser Tamil beschränkt sich noch auf Hallo und
Danke. Die meisten der Kinder verstehen auch nicht, was in ihrem Englischbuch
steht. Die Texte sind teilweise richtig anspruchsvoll und die meisten der
Schüler sind damit komplett überfordert. Die meisten können zwar ein paar
Grundfloskeln, aber darüber hinaus kann man mit nur sehr wenigen kommunizieren.
Bei
dem strengen Tagesablauf bleibt nicht viel Zeit für Spiele mit den Kindern. Bei
unseren Aufgaben stand auch, dass wir Englisch-Unterricht geben sollen, aber
das wollen wir den Kindern auch nicht zumuten, nachdem sie zuerst den ganzen
Morgen in der Schule saßen und den Nachmittag mit lernen und Hausaufgaben
verbringen. Somit sitzen wir viel herum, aber es hat sich auch schon ein
bisschen gebessert. Dadurch, dass wir die ersten Freiwilligen im Projekt sind,
müssen auch die Mitarbeiter sich erst an die neue Situation gewöhnen. Eigentlich
bin ich recht optimistisch, dass sich unsere Situation in ein paar Wochen
verbessert.
Zu
unserer Wohnsituation: die erste Woche verbrachten wir noch komplett im
Projekt. Das war von dem her doof, weil wir unser Gepäck nicht auspacken
konnten und auch kein eigenes Zimmer hatten. Die ersten zwei Tage schliefen wir
im Zimmer unseres Gastvaters/Chefs, doch dann wurden wir ausquartiert und
schliefen draußen mit den Mitarbeiterinnen auf dem Boden. Seit Donnerstag sind
wir jetzt in der Wohnung. Das Problem ist, dass unsere Gastfamilie ja
eigentlich im Projekt wohnt. In dieser Wohnung wohnt anscheinend normalerweise die
Mutter, die allerdings zurzeit bei Verwandten ist und erst in ein paar Wochen
wiederkommt. Die Wohnung besteht aus zwei kleinen Zimmern, einer Küche und
einem Bad. Sie ist ungefähr zwei Kilometer vom Projekt entfernt, weshalb wir
immer abgeholt und hingebracht werden. Derzeit wohnt unser Gastbruder, der
eigentlich in einem anderen Bundesstaat studiert, auch noch mit uns in der
Wohnung. Außerdem sind meistens eins der älteren Mädchen und unsere Gastcousine
bei uns. Wir sind froh, dass wir endlich unser Gepäck auspacken konnten und nun
auch ansatzweise sowas wie Privatsphäre habe, aber das aktuelle Arrangement ist
auch nicht ganz optimal, da wir immer spazieren gefahren werden müssen und es
vor allem an freien Tagen auch ein Problem ist mit dem Essen (wir somit
entweder auch an unseren freien Tagen zum Essen ins Projekt fahren müssen oder
das Essen wird uns gebracht, was auch komisch ist). Aber wir sind jetzt ja erst
ein paar Tage hier, das spielt sich bestimmt auch noch ein.
Insgesamt
geht es mir inzwischen schon viel besser als am Anfang und ich bin mir sicher,
dass sich die Situation auch weiter verbessern wird und wir dem ganzen einfach
nur etwas Zeit geben müssen. Die Leute sind auf jeden Fall sehr nett, kümmern
sich und sind besorgt um uns. Auch die Kinder freuen sich, dass wir da sind und
ein bisschen Abwechslung in ihren Alltag bringen. Wir werden ständig stolz
vorgestellt und das Essen schmeckt mir auch (bis jetzt hab ich auch alles gut
vertragen! J).
So,
das war jetzt ganz schön lang. Wer mit dem Lesen bis hier gekommen ist: schön,
dass du dich so sehr für mich interessierst ;)
Und: sobald ich das naechste Mal ins Internet-Cafe komme, kommen auch ganz viele schoene Fotos! :)